Photovoltaik in Deutschland 2026: Vom Boom zur Reife – was Sie über den neuen Markt wissen müssen

Normalisierungswerte: Keine Panik
Beginnen wir mit dem Wichtigsten – der Statistik. Der Januar 2026, der aufgrund des Wetters traditionell ein schwacher Monat ist, zeigte überraschend gute Ergebnisse. In Deutschland wurden rund 26.000 Solaranlagen mit einer Leistung von 5 bis 25 kW installiert. Ja, das sind 29 % weniger als im Januar 2025, aber für einen ungewöhnlich kalten und verschneiten Januar ist das ein sehr gutes Ergebnis.

Zum Vergleich: In den Boomjahren (2023–2024) wurden monatlich 50.000 bis 53.000 Anlagen installiert, doch dieses Tempo war anomal und nicht nachhaltig. Der Markt ist nun einfach zu einer „neuen Normalität“ zurückgekehrt, wie Peter Knuth, Vorsitzender des Bundesverbandes Deutscher Solartechnik-Handwerke (BDSH), treffend formulierte.

Die installierte Gesamtleistung der Photovoltaik in Deutschland erreichte Anfang 2026 etwa 117 Gigawatt, und der Anteil der Solarenergie am nationalen Energiehaushalt betrug solide 16,8 Prozent.

Strukturelle Veränderungen: Weniger, aber größer
Hinter den nackten Zahlen verbirgt sich ein wichtiger Trend. Der Anteil kleiner Anlagen (bis 10 kW) ist unter 40 % gesunken, während leistungsstärkere Systeme (über 10 kW) immer beliebter werden. Die Menschen haben aufgehört, sich mit „irgendwas“ zufrieden zu geben, und sind zu durchdachteren Lösungen übergegangen.

Für Installateure bedeutet dies größere Projekte, höhere Planungsanforderungen, aber auch einen höheren Mehrwert pro Auftrag. Im kommerziellen Bereich stieg die durchschnittliche Anlagengröße von 1,4 MW im Januar 2022 auf einen Höchstwert von 6,9 MW im Jahr 2025. Der Fokus verlagert sich von Quantität hin zu Qualität und Professionalität.

Speicher werden zum Herzstück des Systems.
Der vielleicht markanteste Trend des Jahres 2026 ist die umfassende Verbreitung von Akkus. Laut Peter Knut wird heute praktisch keine neue Solaranlage mehr ohne Speicher verkauft. Darüber hinaus werden alte Systeme, die vor 5 bis 10 Jahren installiert wurden, aktiv nachgerüstet.

Die Zahlen sind beeindruckend: In Deutschland sind bereits rund 2,4 Millionen Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von über 19 GWh installiert. Die Nachfrage verlagert sich auf größere Kapazitäten, insbesondere im Bereich von 10 bis 25 kWh.

Dynamische Tarife waren der Treiber dieses Trends. Ab 2025 müssen alle Stromversorger flexible Tarife anbieten. In Kombination mit einem Speicher ermöglicht dies, tagsüber Energie zu speichern und das Haus abends zu versorgen, wenn der Börsenpreis am höchsten ist. Im Jahr 2025 gab es 575 Stunden mit negativen Strompreisen an der Börse – so lange Energie ins Netz zu speisen, war einfach nicht rentabel.

Die Preise für Speicher sind in den letzten 15 Jahren um 95 % gesunken – ein 10-kWh-Heimspeicher ist heute für etwa 3.300 Euro erhältlich.

Das Segment der kommerziellen Speicher wächst besonders dynamisch. Im Januar 2026 wurden rund 1248 Systeme mit einer Leistung von mehr als 25 kW installiert – 34 % mehr als im Vorjahr. Unternehmen lernen aktiv, wie sie durch Arbitrage und die Optimierung von Spitzenlasten Gewinne erzielen können.

Preiswende: Es wird nicht mehr billiger.
Nach jahrelangem Preisverfall bei Geräten erwartet den Markt eine historische Trendwende. Ab dem 1. April 2026 hebt China die Exportsteuervergünstigungen (Mehrwertsteuerrückerstattung von bis zu 13 %) für Solarzellen, -platten, -module und -wechselrichter vollständig auf.

Experten schätzen, dass dies bereits im zweiten Quartal zu einem Preisanstieg von 10 bis 15 Prozent führen wird. Für Batterien gilt eine Übergangsfrist: Von April bis Dezember 2026 wird die Subvention von 9 % auf 6 % gesenkt und anschließend vollständig abgeschafft.

In Verbindung mit gestiegenen Rohstoffpreisen (Silber, das für die Herstellung von Zellen benötigt wird, ist deutlich teurer geworden) könnte der Gesamtanstieg noch deutlicher ausfallen. Die Ära der extrem günstigen Solarmodule geht zu Ende.

Energie-Sharing: Strom an Nachbarn verkaufen
Ab dem 1. Juni 2026 tritt der neue Paragraph 42c des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) in Kraft, der es Eigentümern von Solaranlagen ermöglicht, überschüssigen Strom direkt und ohne Zwischenhändler an Nachbarn zu verkaufen.

Bisher war dies praktisch unmöglich: Der Eigentümer der Anlage musste sich als vollwertiges Energieversorgungsunternehmen registrieren lassen. Diese Hindernisse wurden nun beseitigt.

Die Wirtschaftlichkeit des neuen Modells ist attraktiv: Derzeit erhalten Eigentümer für überschüssigen Strom nur etwa 8 Cent pro Kilowattstunde gemäß dem EEG-Tarif. Gleichzeitig zahlen die Nachbarn ihren Lieferanten durchschnittlich 35 Cent. Energy Sharing ermöglicht es, einen Kompromiss zu finden – der Eigentümer erhält mehr, der Nachbar zahlt weniger.